Dienstag, 24. Januar 2012

Die erste Woche in der Nutech Mediworld



Es ist Sonntag,der erste Tag in der Nutech Mediworld.
Wir bleiben lange erschöpft im Bett und werden netterweise auch nicht gestört.
Erst am späten Vormittag stehen wir auf und erkunden die Klinik.

Am späten Nachmittag erfolgt ein Gespräch mit dem diensthabenden Arzt.
Ein Borreliosecheck,bereits am Abend erfolgt die erste Testinjektioen in den Arm mit embryonalen Stammzellen.
Auf diese erste Injektion reagiere ich jedoch sehr.Viele alte,bekannte Hirnsymptome beginnen bereits
30 Minuten nach der Injektion. Dazu stellt sich eine massive Müdigkeit ein.

Ich schlafe trotz Jetlag recht früh ein.

Es ist Montagmorgen. Ich bekomme nach dem Frühstück,welches für mich aufgrund meiner Unverträglichkeiten aus frischem Obst besteht,direkt wieder eine Stammzelleninjektion in den Oberarm. Danach wird uns mitgeteilt,daß wir direkt mit dem Taxi ins Fortis Hospital gefahren
werden sollen,wo ein SPECT Scan meines Gehirns angefertigt wird.

Wir finden uns in der Lobby ein und warten auf den Fahrer.
Mein Mitpatient Ari aus Californien fährt ebenfalls mit uns,er ist zur selben Zeit angereist und
ist in Begleitung von Sheilla,einer wahnsinnig sympatischen Amerikanerin.

Es geht turbulent durchs verrückte Dehli,der Kulturschock macht sich erst jetzt am Tage richtig bemerkbar.
Am Straßenrand schlafen Menschen unter Planen,bettelnde Kinder flehen nach Essen. Der Anblick macht mich traurig
Rtl2 sollte mal lieber hier mehrere Drehtage einlegen,als das Feierabendprogramm mit geldprotzenden Millionären zu füllen.
Hier wäre Hilfe angebracht.

In der Klinik angekommen muss ich mich anmelden,was nach einigen Problemen auch endlich klappt.
Nun müssen wir im Wartebereich noch einige Zeit verbringen,welche durch Smalltalk mit meiner amerikanischen Begleitung weniger langweilig ist.
Ari und seine Schwester sind ebenfalls an schwerer Borreliose erkrankt.
Auch er startete einen Spendenaufruf.
Als das Geld zusammen war,konnte er sofort nach Indien aufbrechen,
seine Schwester ist momentan jedoch nicht flugfähig und wird vorraussichtlich
nächsten Monat nachkommen.

Ich werde aufgerufen.
In einem verdunkelten Raum wird mir das radioaktive Kontrastmittel verabreicht.
Danach geht es für 30 Minuten unter das SPECT.







Mittels dieser Untersuchung lassen sich minderdurchblutete und nicht funktionsfähige oder stark eingeschränke Hirnareale bildlich darstellen.
Bei vielen Borreliosepatienten fallen diese Scans meist sehr schlecht aus.

Wir sind fertig,zurück gehts mit dem Taxi in die Nutech Mediworld.

Am Nachmittag erhalte ich noch eine Injektion mit Stammzellen,die mich wieder sehr müde werden lässt.
Damit ist der erste Wochentag geschafft.

Am Dienstag morgen geht es in das Goyal Diagnostikcenter.




Dort wird ein Ultraschall meiner Blase,meines Abdomens und meiner Nieren angefertigt.
Auch meine Lunge wird geröntgt.
Danach geht es auch schon wieder zurück in die Klinik,wo ich meine erste Dosis Stammzellen erhalte.
Die Zellen werden mir morgens und abends intramuskulär in den Oberarm verabreicht.
1 mal wöchentlich erfolgt meist eine große Infusion mit Zellen,
oder aber eine Spritze intravenös.
In mir vorher nicht bekannten Zeitabständen werden sie mir auch oral sowie über ein Nasenspray verabreicht.
Dr. Shroff erklärte mir,daß sie so auch von den vielen Nervenzellen in der Nase direkt ins Gehirn gelangen können.

Um 11 habe ich meine erste aber auch sehr anstrengende Physiotherapie.






Meine lange schwere Krankheit macht sich bei Bewegung mit starker Schwäche und vor allem
durch Schmerzen in Gelenken sowie Sehnen und Muskeln bemerkbar.

Am Nachmittag erfolgt noch eine Injektion,auch dieser Tag ist schon vorbei.

Am Mittwoch habe ich ein ausführliches Gespräch mit Dr.Shroff,die mir drastisch und offen meine Hirnschäden erklärt.
Besonders geschädigt ist mein Gleichgewichtssystem,meine emotionalen Hirnfunktionen,das Gedächtnis,mein linkes Auge,
meine Motorik und vieles mehr.
Es ist ein Schock,obwohl ich ja eigentlich aufgrund meiner immer schlimmer werdenden neurologischen Einschränkungen darauf vorbeireitet war.
Mein Spect ist bildlich gesehen ein reiner Horror. Ich möchte mich nicht weiter damit befassen.
Ich hoffe die Zellen reparieren alles,ich bete......




Die blauen und violetten Areale sind nicht mit Sauerstoff versorgt und haben keine Funktion mehr. Alleine aus diesem SPECT lassen sich sämtliche Hirnfunktionsstörungen erklären. Die Borreliose und Co-Erreger sitzen tief in meinem Zentralnervensystem.

"Your brain is very very bad,but hopefully",so sagt Dr.Shroff.

Auch mein defektes Immunsystem,der schwere Immunglobulin-M Mangel,die massiven
chronisch systemischen Entzündungen und auch die Infektionen werden besprochen.

Dr.Shroff macht mir Mut.

Am Donnerstag werden mittels Allergietest Substanzen wie Antibiotikum und lokale Betäubungsmittel getestet.
Das funktioniert mittels unterspritzen an diversen Hautstellen.
Macht sich eine Reaktion,zb. eine Rötung oder Schwellung bemerkbar,
so wird diese Substanz nicht angewandt.

Bei mir ist alles ok. Monocef(Ceftriaxon) scheine ich zu vertragen. Ebenso das lokale Betäubungsmittel.

Am Abend teilt mir der Arzt mit,daß morgen mein erstes Procedure ansteht.

Procedures sind Eingriffe,bei denen die Stammzellen entweder caudal oder epidural mittels Katheder transplatiert werden.Caudal werden die Stammzellen mittels einer Spritze in die Nähe des Rückenmarks injiziert.Eingestochen wird in der Nähe des Steißbeines.Beim epiduralen Procedure wird der Katheder über eine Punktionsnadel ca 4 cm tief in den Epiduralraum eingebracht und bleibt 2 Tage liegen,dann werden in Abständen große Mengen der Stammzellen injiziert.


Es ist Freitag,am Tage des Procedures bekomme ich keine Stammzellen in Vene oder Muskel.
Um 12 habe ich noch Physiotherapie.Ich bekomme nun vor dem Eingriff Ceftriaxon intravenös verabreicht.
Um 14:30 werde ich abgeholt und in den Operationsraum geschoben.
Ich werde an das Herzfrequenzgerät angeschlossen....."piep piep piep piep".
Was mache ich hier? Ich liege in Indien in einem OP und lasse mir gleich eine lange Nadel in die Nähe meines Steißbeins stechen und ca 4 cm einführen.

Ich versuche mich abzulenken,das OP Personal ist Spitze.....sie lenken mich ab.
Der Arzt kommt und ist sehr freundlich,er sagt mir nochmal"Dont`worry,it will be fine.....

Dann wird der Rücken großflächig desinfiziert.

Die Nadel wird nun eingestochen,was eigentlich außer einem Stich kein Problem darstellt,ich beruhige mich....

Doch dann kommt die eigentliche Injektion....Mein Gott,was ist das????

Es zerreißt mir fast den Unterbauch,ein nicht zu beschreibender,stechender Schmerz setzt ein,daß mir fast die Luft wegbleibt.
Und Sie können mir glauben,daß ich relativ schmerzunempfindlich bin,selbst eine komplette Darmspiegelung bis zum Dünndarm machte ich ohne Narkose.....

Der Schmerz war kurz,ca 25 Sekunden,dafür aber massiv.Die Schmerzen sind so stark,da die Stammzellen sehr nah an das Rückenmark gespritzt werden müssen,in diesen sensibelen Bereichen verlaufen sehr viele Nerven.Dann ist es geschafft,die Nadel wird entfernt und ich werde zurück auf mein Zimmer geschoben,wo ich nun 2 Stunden in Rückenlage verbringen muss.





Danach kann ich wieder aufstehen.....





Die erste Woche ist geschafft.

Ich bin gefüllt mit Hoffnung,vielen neuen Eindrücken......

Ich habe bereits jetzt wunderbare Menschen kennengelernt......